Es ist ganz einfach: Wir senken den Umwandlungssatz und werden 150 Jahre alt.

Fünf Wochen vor der Abstimmung habe ich mich in dieses Thema eingelesen.

Dabei habe ich mir die Pro- und Kontra-Argumente kritisch angeschaut und wollte jedem Element auf den Grund gehen, schauen, ob es nachvollziehbar ist und ob Fakten dahinter stehen.

Ich zeige hier kurz auf, zu welchen Resultaten ich gekommen bin.

Die Fakten

Um was geht es

Es geht um das Kapital, das Sie angespart haben: Sie sparen Ihre ganze Arbeitszeit in Ihre zweite Säule hinein, im Moment wird es zu grandiosen 2.25% verzinst. Wenn Sie dann 65 sind (ja, liebe Damen, bald gilt das auch für Sie), dann haben Sie fertig gespart und Sie beginnen mit dem Bezug Ihrer Rente.

Seit die zweite Säule obligatorisch ist (1985) galt ein Umwandlungssatz von 7.2%: Wer sich über seine Arbeitszeit 500’000 CHF angespart hatte, bekam eine Jahresrente von 36’000 CHF (3’000 CHF Monatsrente).

2005 hatte der Bundesrat entschlossen, den Mindestumwandlungssatz wegen der gestiegenen Lebenserwartung auf 6.8% zu senken.

2010 soll der Satz als nächstes auf 6.4% gesenkt werden.

Steigende Lebenserwartung

In den letzten vierzig Jahren stieg die Lebenserwartung fast konstant, das ist dem Bundesamt für Statistik (BfS) bekannt, es extrapoliert die zukünftige Lebenserwartung aus den früheren Messungen (das sind Schätzungen). 20 Jahre lang musste der Wandlungssatz nicht gesenkt werden, man hatte offensichtlich korrekt die steigende Lebenserwartung vorhergesagt. Die letzte Senkung von 2005 wurde begründet mit der gestiegenen Lebenserwartung.
Nun will man gerade mal 5 Jahre später mit dem gleichen Argument den Satz noch einmal senken, obwohl die Lebenserwartung langsamer steigt.
Meine Erfahrung (meine Diplomarbeit behandelte 1990 die Lebenserwartung!!) führt zum Schluss, dass dies ein vorgeschobenes Argument ist.

Und clever ist man, wenn man eine andere Lebenserwartungstabelle zu Rate zieht: Weil die offizielle Statistik des BfS (Bundesamt für Statistik) nicht genügend hohe Werte ergibt, sucht man sich eine andere: Gefunden hat das Pro-Kommittee die Statistik von Zürcher Beamten…leben diese wohl länger als der Durchschnitt der Bevölkerung?
Ein Schelm, wer denkt, dass diese Verfälschung beabsichtigt ist…

Entwicklung der Kapitalerträge

2008 war eines der schwärzesten Börsenjahr, die Finanzkrise hat zu grossen Einbussen geführt, die auch die Pensionskassen getroffen hatten: Gemäss der Genfer Bank Pictet (ein Spezialist für Pensionskassen) verloren die Pensionskassen im Durchschnitt 10.04%.
Und 2009 lag die Rendite bei +11.74%…man rechne.

Deckungsgrad

Ein Deckungsgrad von 90% bedeutet, dass die Pensionskasse nur 90% des Kapitals ausbezahlen könnte, das von ihnen verwaltet wird.
2008 lag der Deckungsgrad wegen der Finanzkrise unter 100%.
Nach dem guten Börsenjahr:
«Die Schweizer Pensionskassen konnten im vierten Quartal 2009 den Deckungsgrad weiter verbessern. Per Ende Jahr lag die durchschnittliche, vermögensgewichtete Deckung bei 98,3%» (NZZ vom 14.1.2010)

Darum ein Nein

Je mehr ich mich mit dem Thema befasst hatte, umso klarer wurde es für mich, dass die Pro-Argumente sehr dünn sind, dass es in zehn Jahren völlig anders herauskommen kann und dass gerade erst vor fünf Jahren bei der letzten Senkung diese Argumente bereits strapaziert wurden.

Darum stimme ich nein gegen diese weitere Senkung auf Vorrat.

Es besteht heute kein Bedarf für diese Reduktion, jetzt und für die nächsten Jahre ist alles im Lot. Der Bundesrat ist verpflichtet mindestens alle zehn Jahre die Lage zu beurteilen und einen neuen Entscheid zu treffen; «mindestens» heisst, dass er ca. 2015 wieder prüfen wird, ob noch ein Gleichgewicht besteht.

Auch die Pensionskassen-Stiftungen empfehlen ein Nein

«Stiftungsräte und Pensionskassenfachleute gegen Senkung des Umwandlungssatzes» (Pressemitteilung)
«Nicht den Umwandlungssatz senken, sondern die Strukturen verbessern und die Kosten reduzieren.»
Während die Verwaltungskosten der AHV 131 Mio. CHF pro Jahr betragen, sind es bei der 2. Säule über 4’000 Mio. CHF (über 30x mehr!), das ergibt pro Person und Jahr über 1’100 CHF, d.h.: Von Ihrem Lohn werden die Beiträge an die Pensionskasse direkt abgezogen. Von diesen Beiträgen versickern jedes Jahr über 1’100 CHF bei den Versicherern; dazu kommen noch die Gebühren und Courtagen der Banken.

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